Seele
...denn
ein Monstrum ist nichts anderes als eine Verbindung wahrhaftiger Wesen, und die
Kombinationsmöglichkeiten grenzen ans Unendliche...
J.
L. Borges und Marg. Guerrero
Auf
der ursprünglichen Verwandtschaft und dem in Urzeiten unmittelbaren Verkehr mit
Tieren beruhen nicht nur Verwandlungsvorstellungen, sondern auf sie stützt sich
auch der allgemein verbreitete Glaube an die Seelenwanderung: Wenn der Körper
des Menschen nach dem Tode verfällt, überlebt seine Seele und geht in ein Tier
ein. Wie bei der Metamorphose entspricht auch bei der Metempsychose die gewählte
Tierart dem Charakter bei Lebzeiten. Während die Metamorphose eine Tendenz des
Menschen zum Tierischen beinhaltet, bedeutet die Metempsychose eine
Vermenschlichung des Tiers.
In
der Literatur gehen oft die beiden Tendenzen ineinander über, und es ist
manchmal schwer zu entscheiden, ob es sich noch um Tiermenschen oder schon um
vermenschlichte Tiere handelt. Wenn Wiedergänger als Tiere in Erscheinung
treten, reagieren die Tiermenschen feindlich: ein Werwolf bekämpft den Toten,
der in Gestalt eines Wolfes umhergeht. Besonders in den slawischen Ländern
verwechselte man beide Erscheinungen, vukodlak (-- Wolfspelz) diente als
Bezeichnung für den Werwolf und für den Vampir. Man glaubte hier, daß
Menschen, die zu Lebzeiten Werwölfe waren, nach dein Tode zu Vampiren wurden.