Das kleine Hexenbuechlein

Soldan/Heppe

 

An die Spitze der ganzen Ausführung wird nämlich der im Hexenhammer entwickelte Begriff der Hexe gestellt. 1574 verteidigte an der Universität Ingolstadt ein Pfarrer Wegmann Thesen über die Zauberei.  Der dortige Professor Hieronymus Ziegler übersetzte 1555 die Antwort des Trithemius auf die acht Fragen des Kaisers Maximilian. Der Wormser Pfarrer Konrad Distel hielt in einer Versammlung von Geistlichen eine lateinische Rede gegen die Unholden, die erbarmungslos ausgerottet werden müßten. 1570 hielt es Reinhard Lutz, Pfarrer zu Schlettstadt  für ,,billich", einen vierfachen Hexenbrand anschaulich zu schildern. Ungleich gewichtiger,  ausführlicher und verbreiteter waren die protestantischen Unterweisungen über das Hexenwesen. Sie mischen Bekannntes, allgemein Verbreitetes mit von den Autoren selbst Erdachtem, womit sie ihre Leser zur Hexenspürerei aufzustacheln suchten.

 

So das 1576 erschienene ,,Hexenbüchlein". Ein Doktor Jakob Wecker war sein Verfasser.  Auf dem ,,General - Konzihum", das der Teufel mit den Hexen abhält, heißt es in diesem stupiden Machwerk, werden sie belehrt ,,wie sie Donner, Hagel, Reifen, Schnee, Wetter, Luft machen, zaubern und verzaubern sollen, item in Katzen, Tier, Wölf, Geiße, Esel, Gänse, Vögel sich verändern, auf Stecken, Gabeln reiten, von einem Ort an das andere fahren, die Leut erlähmen und das wütisch Heer zurichten sollen". Hat die Teufelsbuhlschaft mit den Hexen Folgen, so kommen sie zum ,,wütisch Heer". ,,Alle zusammen von allen Nationen, führt sie der Teufel über Staud und Höck, Dörfer, Städte, Land, Leute, Berg und Tal mit greulichem Geschrei, erschrecklichem Greuel; der Teufel fahret ihnen vor und nach, bis sie kommen auf den Platz, den sie verordnet haben; da genesen sie ihrer Kinder."

 

Vom gleichen Kaliber ist die ,,Richtige Antwort auf die Frage: ob die Zäuberer und Zäuberin mit ihrem Pulver Krankheiten oder den Tod selber bringen können"  von Siegfried Thomas. Er kennt alle Abscheulichkeiten des Verkehrs zwischen Hexen und Teufel, als ob er sie selber durchgemacht. Sein Glaube an Teufelswerk vermag Berge zu versetzen. So erzählt er von dem Gebrauch, eine Hostie zu stehlen, diese ,,einem Esel zu essen geben, welchen sie hernach lebendig bei der Kirchtüre begraben: darauf erfolget ein Regen wie eine Sintflut". ,,Es hat mich einer", fügt Thomas hinzu, ,,einstmals bereden wollen, als sollte solcher Esel ein Mensch sein, wie man denn lieset, daß ihrer viel also in Esel verwandelt worden. Aber ich sehe keine genugsame Ursache, warum allhie nicht ein rechter Esel zu verstehen sein sollte, weiß sonst wohl, daß der Satan die Elementaria, Corpora in andere Körper und Leibe verwandeln kann, wenn es ihm Gott verhänget und zuläßt." Er ist natürlich unbedingt für Folter und Scheiterhaufen. Derartige Auslassungen und Kundgebungen der Geistlichen waren insofern sehr vom Übel, als sie den Glauben an das Hexenwesen im Volke immer mehr befestigen halfen und dadurch indirekt das Ihrige zur Fortsetzung der Hexenverfolgung beitrugen. Weit schlimmer und verderblicher wirkte jedoch in letzterer Beziehung die Stellung der Juristen und der juristischen Fakultäten zur Hexereifrage, indem diese durch ihre Autorität unmittelbar auf die Hexenverfolgung einwirkten und nicht allein ihr Erlöschen verhinderten, sondern auch deren Fortführung und Steigerung veranlaßten.