Ehemann als Werwolf

Karl Bartsch

Eine junge Frau, deren Mann aus für sie rätselhaften Ursachen häufig abwesend war, schöpfte Verdacht, daß er ein Werwolf sei.

Eines Tages arbeiten Beide auf dem Felde. Der Mann verläßt die Frau wieder. Plötzlich kommt ein Wolf aus dem Gebüsche hervor, läuft auf sie zu, faßt mit den Zähnen ihren roten Friesrock und zerrt sie hin und her. Durch Geschrei und Schlagen mit der Heugabel vertreibt sie ihn.

Bald darauf tritt ihr Mann aus demselben Gebüsch, in welchem der Wolf verschwunden ist. Sie klagt ihm die ausgestandene Angst. Er lacht, und abei zeigen sich die roten Wollenfäden, die aus ihrem Rock ihm zwischen den Zähnen geblieben.

Sie gibt ihn beim Richter an, und er wird verbrannt.

 

Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg (Wien: Wilhelm Braumüller, 1879), Bd. 1, Nr. 182, S. 148.