Dialogus miraculorum

Soldan/Heppe

 

Cäsarius hielt es für ganz nützlich, den Unterricht, den er als Mönch den Novizen erteilte, durch Vorführung Von Beispielen aus dem Leben und durch sonstige Erzählungen die er aus dem Munde der Leute gesammelt hatte, lebendiger zu machen. Auf Befehl seines Abtes trug er (um 1222) nun alle diese Erzählungen in ein Manuskript zusammen, dem er die Form eines Gesprächs zwischen einem Mönch und einem Novizen gab. So entstand sein zwölf Abteilungen (Distinctiones) umfassender "Dialogus miraculorum".

 

Es gibt kaum ein zweites Werk des Mittelalters, das mit solcher Anschaulichkeit das Denken und Leben der Zeit darlegte wie dieser Dialogus. Die Distinctio ,,de daemonibus" läßt uns namentlich den Teufelsglauben, der die abendländische Christenheit in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts beherrschte, auf das genaueste erkennen.

 

Wir ersehen hier aus einer Legion von Erzählungen, wie nach der Überzeugung aller Schichten der Gesellschaft jener Zeit der Teufel mit seinen Dämonen überall in die Angelegenheiten des Menschen eingreift und überall die Hand im Spiel hat. Er erscheint bald in Tier- (Kröte, Affe, Hund, Katze, etc.), bald in Menschengestalt, und zwar ebenso als Weib wie als Mann. Ist es ihm um die Verführung einer Frau oder eines Mädchens zu tun, so tritt er als schmucker Reitersmann auf. Sonst erscheint er auch als Mohr, als Drache etc., immer aber fehlt ihm der Rücken. Macht er sich mit Weibern zu schaffen, so ist er ein lncubus, während er sich bei Männern zum Sukkubus macht. Die Unzucht ist überhaupt eine Hauptsache im Verkehr des Teufels mit Menschen. Dabei werden Frauen oft von Teufeln gemißbraucht, ohne daß die daneben im Bette liegenden Ehemänner etwas davon merken. Der Teufel und die Dämonen die immer um uns herum sind können dem Menschen an Leib und Seele und an allem schaden, was er hat. Schutzmittel gegen die Anläufe der Bösen sind: das Zeichen des Kreuzes, Weihwasser, geweihtes Wachs, Weihrauch, Gebet und das Aussprechen des christlichen Glaubensbekenntnisses.

 

Der Teufel, den uns Cäsarius malt, ist aber nicht ein Mephistopheles voll Menschenkenntnis, Erziehung und feiner Berechnung; er ist gleichsam der Teufel in den Flegeljahren, plump, hochfahrend und trotzig, prahlend, gewalttätig wie ein nordischer Recke, oft linkisch in der Wahl seiner Mittel und zuweilen sogar so schwach, daß er das gegebene Wort hält oder Gnade für Gewalt ergehen läßt. Er buhlt mit Männern als Weib und mit Weibern als Mann, mißhandelt die ihm Widerstrebenden mit Fauststößen, und betet, wenn er jemanden treuherzig machen will, das Vaterunser, jedoch mit Auslassungen und grammatischen Fehlern, auch das Kredo, aber falsch. Viele Geschichten sind nur dazu da, in köstlich naiver Unverfrorenheit für den Zisterzienserorden Reklame zu machen.

 

Dieser Teufelsglaube, dem wir vom Anfange des dreizehnten Jahrhunderts die ganze abendländische Christenheit ergeben sehen, war die Grundlage, auf der sich der Begriff des Hexenwesens aufbaute, zur Zeit jedoch war dieser noch nicht entwickelt. In Cäsarius seinen Auseinandersetzungen und Erzählungen tritt, was wohl zu beachten ist, die Idee eines eigentlichen, dauernden Teufelsbundes noch nicht hervor.  Allerdings sucht sich der Teufel der Menschen zu bemächtigen, und ist ihm dieses gelungen, so verlangt er von ihnen das Homagium.

Von Woelfen, Feen und Werwoelfen

Dialogus miraculorum

Soldan/Heppe

 

Cäsarius hielt es für ganz nützlich, den Unterricht, den er als Mönch den Novizen erteilte, durch Vorführung Von Beispielen aus dem Leben und durch sonstige Erzählungen die er aus dem Munde der Leute gesammelt hatte, lebendiger zu machen. Auf Befehl seines Abtes trug er (um 1222) nun alle diese Erzählungen in ein Manuskript zusammen, dem er die Form eines Gesprächs zwischen einem Mönch und einem Novizen gab. So entstand sein zwölf Abteilungen (Distinctiones) umfassender "Dialogus miraculorum".

 

Es gibt kaum ein zweites Werk des Mittelalters, das mit solcher Anschaulichkeit das Denken und Leben der Zeit darlegte wie dieser Dialogus. Die Distinctio ,,de daemonibus" läßt uns namentlich den Teufelsglauben, der die abendländische Christenheit in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts beherrschte, auf das genaueste erkennen.

 

Wir ersehen hier aus einer Legion von Erzählungen, wie nach der Überzeugung aller Schichten der Gesellschaft jener Zeit der Teufel mit seinen Dämonen überall in die Angelegenheiten des Menschen eingreift und überall die Hand im Spiel hat. Er erscheint bald in Tier- (Kröte, Affe, Hund, Katze, etc.), bald in Menschengestalt, und zwar ebenso als Weib wie als Mann. Ist es ihm um die Verführung einer Frau oder eines Mädchens zu tun, so tritt er als schmucker Reitersmann auf. Sonst erscheint er auch als Mohr, als Drache etc., immer aber fehlt ihm der Rücken. Macht er sich mit Weibern zu schaffen, so ist er ein lncubus, während er sich bei Männern zum Sukkubus macht. Die Unzucht ist überhaupt eine Hauptsache im Verkehr des Teufels mit Menschen. Dabei werden Frauen oft von Teufeln gemißbraucht, ohne daß die daneben im Bette liegenden Ehemänner etwas davon merken. Der Teufel und die Dämonen die immer um uns herum sind können dem Menschen an Leib und Seele und an allem schaden, was er hat. Schutzmittel gegen die Anläufe der Bösen sind: das Zeichen des Kreuzes, Weihwasser, geweihtes Wachs, Weihrauch, Gebet und das Aussprechen des christlichen Glaubensbekenntnisses.

 

Der Teufel, den uns Cäsarius malt, ist aber nicht ein Mephistopheles voll Menschenkenntnis, Erziehung und feiner Berechnung; er ist gleichsam der Teufel in den Flegeljahren, plump, hochfahrend und trotzig, prahlend, gewalttätig wie ein nordischer Recke, oft linkisch in der Wahl seiner Mittel und zuweilen sogar so schwach, daß er das gegebene Wort hält oder Gnade für Gewalt ergehen läßt. Er buhlt mit Männern als Weib und mit Weibern als Mann, mißhandelt die ihm Widerstrebenden mit Fauststößen, und betet, wenn er jemanden treuherzig machen will, das Vaterunser, jedoch mit Auslassungen und grammatischen Fehlern, auch das Kredo, aber falsch. Viele Geschichten sind nur dazu da, in köstlich naiver Unverfrorenheit für den Zisterzienserorden Reklame zu machen.

 

Dieser Teufelsglaube, dem wir vom Anfange des dreizehnten Jahrhunderts die ganze abendländische Christenheit ergeben sehen, war die Grundlage, auf der sich der Begriff des Hexenwesens aufbaute, zur Zeit jedoch war dieser noch nicht entwickelt. In Cäsarius seinen Auseinandersetzungen und Erzählungen tritt, was wohl zu beachten ist, die Idee eines eigentlichen, dauernden Teufelsbundes noch nicht hervor.  Allerdings sucht sich der Teufel der Menschen zu bemächtigen, und ist ihm dieses gelungen, so verlangt er von ihnen das Homagium.