Ein Werwolf eines Nachts
entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: "Bitte, dekliniere mich!"
Der Dorfschulmeister stieg
hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:
"Der Werwolf",
sprach der gute Mann,
"des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt,
den Wenwolf, - damit hats ein End."
Dem Werwolf schmeichelten
die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
"Indessen", bat er, "füge doch
zum Singular den Plural noch!"
Der Dorfschulmeister aber
musste
gestehn, daß er von ihm nichts wusste.
Zwar Wölfe gäbs in großer Schar,
doch "Wer" gäbs nur im Singular.
Der Wolf erhob sich tränenblind
-
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.
nach Christian Morgenstern