
BRUDER WOLF
von Jim Brandenburg
Tecklenborg Verlag
DM 88,00
Das vorliegende Werk ist zwar sicherlich ein
kostspieliges, doch ebenfalls ein bewundernswertes Buch über einen Menschen der
so einfühlsam und mit Hingabe über eine Kreatur schreibt die Jahrhunderte
verfolgt wurde, wie kein anderes Lebewesen in Menschennähe.
Der Wolf, in faszinierenden Bildern
eingefangen, hat uns viel gegeben. Er hat uns mehr gegeben als er durfte. Er hat
sein Äußeres und sein Wesen verändert für uns, durch uns und seine
eigentliche Identität „canis lupus“ wurde gnadenlos ausgerottet und
verfolgt. Es hat ihm nicht geholfen uns aus dem Weg zu gehen, auch nicht sich
uns zum Freund zu machen, wir haben ihm nur geschadet und mehr noch, wir haben
ihn degeneriert, wir haben ihn zu einem Spottbild seiner Selbst gemacht.
Sollten wir „Bruder Wolf“ tatsächlich
jemals ein Versprechen gegeben haben, so haben wir es bestimmt vergessen oder
absichtlich aus unserem Bewußtsein gelöscht.
Doch vergessen wir nicht die unbedingte Treue
die uns dieses Tier entgegenbringt, das Treue – Gen es existiert wirklich,
beim Hund, insbesondere beim Schäferhund ist es ausgeprägt und fast so lang
wie beim Wolf. Der Wolf selbst maskiert dieses Gen, damit sich seine Treue auf
sein Rudel bezieht und nicht auf uns... Die meisten anderen Hunderassen haben
nur noch degenerierte Treue – Gene bzw. das Gen ist vollständig zerstört.
Der Mensch und der Wolf sind sich so ähnlich,
nicht nur vom Wesen her und der Sozialstruktur, auch vom wirklichen Wollen her,
der Mensch hat nur sein Ziel verloren und tritt beständig Flora und Fauna mit Füßen.
Er tritt sogar Freunde, vielleicht sollte er einmal „Klassenkeile“ beziehen,
unter Wolfsrudeln nicht unüblich.
Durch unsere überragende Intelligenz tragen
wir Verantwortung vor dem Wolf, vor allen Mitgeschöpfen, wir sollten uns dieser
Verantwortung langsam bewußt werden, sonst ist es endgültig zu spät...
wirklich zu spät!
Jim Brandenburg zeigt wunderbare
Landschaftsaufnahmen, traumhafte Wolfsbilder, welche er schon fast neben den
Tieren sitzend aufgenommen zu haben scheint. Er vergißt aber auch nicht, uns
immer wieder zu sagen, daß der Wolf ein Raubtier ist, kein Schmusetier!
Wie gern wäre ich in Ravenwood (Jim
Brandenburgs Gelände), bei den Wölfen, doch wären wir alle dort, wären die Wölfe
auch dort verschwunden. Deshalb möchte ich mit den letzten Worten hier Jim
Brandenburg selbst zu Wort kommen lassen, denn diese sagen alles aus, was zu
sagen ist:
„Wir dürfen niemals vergessen, daß ein
Wolf dasselbe will wie wir: Nahrung, Raum, Frieden, soziale Ordnung und eine
gesunde Umwelt zum Leben.
Natürlich will der Wolf noch etwas, das uns
nicht mehr überraschen dürfte:
Bruder Wolf will alleine
gelassen werden!“
Thorsten Wiedau