Toralba d` en Salord
-Menorkinische, megalithische Bauten-
-Zeugnisse aus der europäischen Urgeschichte-
Neben Mallorca, der wahrscheinlich beliebtesten "deutschen" Ferieninsel, hat die Schwesterinsel Menorca den Touristen einige eindrucksvolle Bauwerke aus der Urgeschichte Europas zu bieten. Über die Hafenstadt Mahon kommen wir mit einem Reisebus direkt in das Zentrum der kleinen und teilweise verschlafenen Insel. Menorca ist bei weitem noch nicht so überlaufen wie ihre große Schwester. Zum Leidwesen vieler Kultur- und Naturschützer wird sich dies, wie zu beobachten, aber jetzt schnellstens durch den Bau großer Ferienanlagen ändern, welche Mallorca entlasten sollen.
Die menorkinische Urbevölkerung, ebenso wie die Mallorcas wurde bereits in frühester Zeit durch Einwanderungen vom europäischen Festland (Spanien/Portugal/Italien) verdrängt oder assimiliert. Die Datierungen der Zeugnisse der menorkinischen Urgeschichte liegen allesamt im Bereich der jüngeren bis älteren Steinzeit.

Da die Erbauer und Betreiber der megalithischen Anlagen auf Menorca leider verschwanden, ist ihr Zweck nicht mehr ganz klar. Insbesondere aus dem Umstand, da eine Schriftsprache zwecks Überlieferungen, nicht bestand. Die Folge ist, daß wir vor Bauwerken stehen, deren Sinn nicht mehr ganz begreifbar ist. Die Konsequenz aus dem "Nichtbegreifen" ist allerdings fataler Natur. Der Raum für Spekulationen und Fantastereien ist nicht auszuloten. Viele Touristenführer verkaufen das zentrale "Heiligtum" der Anlage (einen etwa 4 Meter hohen, aus zwei Monolithen zusammengesetzten Stein) als großen Opfertisch. Da haben wir es also einmal wieder, den Opfertisch! Unsere europäischen Vorfahren waren also mal wieder allesamt blutrünstige Ungeheuer die nach dem Fleisch und Blut ihrer Feinde lechzten ... Viel zu oft wird aus Unverständnis und teilweise aus Absicht derartiges konstruiert und den unbedarften Kulturgänger vorgesetzt. Doch Vorsicht ist hier geboten!

Wir haben es hier, als interessierte Kultur- und Geschichtsforscher, mit einer Anlage zu tun, welche von einem großen steinernen Ringwall aus teilweise Tuffstein , eingekreist ist. Der äußere Wall ist bis zu 1,80 hoch. Der innere Kreis ist ca. 1,20 in den Erdboden vertieft, so daß im Normalfall die sich in inneren Kreis befindlichen 12 Monolithe nicht in den Augenschein kommen. Das einzige, welches aus dem inneren Kreis dank seiner Höhe herausragt, ist der zentrale T-Stein. Alle 12 Monolithen, welche den T-Stein umringen sind auf ein kleines Podest gestellt worden. Die Höhe der kleinen Monolithen beträgt ca. 1,70 Meter. Der zentrale T-Stein weißt einige Besonderheiten auf. Hier zu nennen ist erstens die gewollte Auswuchtung auf einer Seite, welche sich auf beiden Steinen befindet. Sie ist unübersehbar, erfüllt oberflächlich gesehen allerdings keinen Zweck. Wichtig ist ebenfalls anzumerken, daß die Anlage nicht wie viele andere Kulturdenkmäler aus der frühen Geschichte Europas, willentlich durch "Archäologen" verändert (instandgesetzt) wurde. Bei näherer Betrachtung ergeben sich sogar eventuelle Verbindungslinien zu den Bauten auf Malta, obwohl diese sich vom Gestein her in einem noch schlechteren Stadium befinden.

Doch kommen wir noch einmal zurück auf den zentralen "T-Stein", welcher den Besuchern als Opfertisch verkauft wird.
1. Ein über 4 Meter hoher Opfertisch ist denkbar ungünstig für eventuelle Opferungen. Wenn man vor diesem T-Stein steht hat man so oder so unwillkürlich das Gefühl, daß dort oben niemand ohne eine wackelige Leiter heraufkommen könnte. Sollte dennoch dort oben sich etwas abgespielt haben, warum denn dann in so luftiger Höhe und warum auf einer derart wackeligen Konstruktion?
2. Die schon vorhin erwähnte Ausbuchtung erfüllt für einen Opfertisch überhaupt keinen Zweck! Sie scheint an und für sich vollkommen nutzlos zu sein. Wofür ist diese Ausbuchtung hergestellt worden? Wir könnten uns folgende Möglichkeiten denken:
a) Einer der Steine hatte bereits im Anfangsstadium des Baus diese Ausbuchtung, da er aus einem eventuell älteren Bauwerk stammte und dort eine gewisse Funktion zu erfüllen hatte.
b) Aus kultisch religiösen Zwecken war es notwendig diese Ausbuchtung zu konstruieren. Was allerdings der religiöse Zweck solch einer Ausbuchtung bedeuten sollte ist verloren gegangen.
c) Die Ausbuchtung hatte einen astronomischen Zweck - hier haben wir es allerdings mit einem nicht zu lösenden Problem zu tun, da wir den genauen Sinn und Zweck der Anlage nicht mehr kennen und eine Lösung des Problems wie eine Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen wäre ...
d) Zufällig ohne erkennbaren Sinn oder Zweck wurde der Stein von den Konstrukteuren der Anlage in diese Form gebracht - das allerdings die Konstrukteure ohne Hand und Fuß an dieses Bauwerk (Anlage) herangegangen sind - halte ich persönlich für extrem unwahrscheinlich ...
Sicherlich gibt es hier noch mehr als 4 Möglichkeiten für den Sinn oder Zweck der Ausbuchtung, aber wer mag schon in das Unendliche spekulieren? Zwei Möglichkeiten sind nach meiner persönlichen Ansicht die Wahrscheinlichsten. Entweder wurde die Ausbuchtung mit Absicht vorgenommen - aus welchem Grunde auch immer ... Oder einer der T-Steine (oder beide ...) stammten aus einer älteren Anlage und hatten dort bereits einen bestimmten Zweck erfüllt.

Im Hinblick auf einen bestimmten Zweck ist auch die Höhle in der Nähe der Anlage interessant. Ich selbst habe sie im Rahmen meines kurzen Aufenthaltes an der prähistorischen Stätte kurz untersuchen können. Ob es sich bei der Höhle um einen einfachen Unterschlupf gehandelt hat oder es sich hierbei um eine einfache Begräbnishöhle handelt ist fraglich.
Sicher ist und bleibt die Tatsache, daß die Höhle ebenso wie die megalithische Kultstätte mit dem zentralen T-Stein einem bestimmten, heute nicht mehr klar erkennbaren Zweck gedient hat!
Sicher ist jedoch, daß die Erbauer ein überaus hohes Maß an Ingenieurswissen haben mußten und für die Ausrichtung der Anlagen ein hohes vermessungstechnisches Grundwissen mitbrachten. Woher dieses Wissen kam ist zwar unklar, aber da es heutigem Wissen ohne weiteres gleichkommt, sind wir gezwungen, extravagante Möglichkeiten der Erklärung in Kauf zu nehmen bzw. diese sogar zu unterstützen, da sie die einzig wahrscheinliche sein mögen.
Bilden Sie sich doch einmal anhand der vor ihnen liegenden Abbildungen eine eigene Meinung! Was denken Sie persönlich von dieser megalithischen Anlage? Was haben die prähistorischen Vorfahren der Mitteleuropäer hier konstruiert, was haben sie mit dieser Anlage bezweckt? Ihre Meinung und Ansicht kann wichtig sein, denn nicht immer wissen andere alles oder schätzen Fakten korrekt ein.