P e t r a
D i e N a b a t a e e r s t a d t
In Jordanien liegt die Nabatäerstadt PETRA. Den meisten wurde sie durch den Film "Indianer Jones - Auf der Suche nach dem Heiligen Gral" dadurch bekannt, daß Sie als Kulisse für den "Gralstempel" diente. PETRA ist aber weit mehr als nur Filmkulisse, bei meinem Besuch in Petra habe ich faszinierende Aufnahmen einfangen können, welche von einer längst vergangenen Kultur berichten. Doch wie kam es eigentlich zu der Entdeckung Petras in der Neuzeit?
Auf der Suche nach der verlorenen Stadt:
Im Sommer des Jahres 1812 reiste ein junger Mann von 25 Jahren in der Tracht eines Beduinen von Aleppo nach Kairo. In Syrien hatte er zwei Jahre arabisch gelernt und sich mit den theologischen und juristischen Grundlagen des Islam vertraut gemacht. Von Kairo aus wollte er in das Schwarze Afrika aufbrechen, um die Quelle des Flusses Niger zu erkunden. Johann Ludwig Burckhardt, so hieß der junge Mann, war der Sohn eines Obristen und stammte aus Lausanne. Studienjahre in Leipzig und Göttingen lagen hinter ihm, seit 1806 stand er im Dienst einer englischen Forschungsgesellschaft. Diese Gesellschaft finanzierte auch die Ausbildungsgänge, mit denen Burckhardt sich auf das große Niger - Abenteuer vorbereitete. Doch noch vor dem Aufbruch zur Afrika - Expedition starb der Schweizer Forscher in Kairo an der Ruhr (17. Oktober 1817). Sein Name war dadurch zwar nicht mit der Erschließung des Schwarzen Kontinents verbunden, wohl aber mit der Wiederentdeckung Petras.
Als Burckhardt in jenem Sommer 1812 durch Edom ritt, hörte er von einheimischen Beduinen über eine große Stadt inmitten der Bergwildnis. Sein Interesse war sogleich geweckt, doch konnte er die argwöhnischen Nomaden nur durch eine List dazu bewegen, ihm die Stätte zu zeigen. Er habe ein Gelübde abgelegt, erzählte er ihnen, das Grab Aarons (das er nahe bei den Ruinen wußte) zu besuchen. Da Aaron (Harun) auch im Islam hohes Ansehen genießt, konnten ihm die Beduinen diesen frommen Wunsch kaum verwehren. Am 22. August 1812 zog Burckhardt als erster Europäer der Neuzeit durch den Siq und weiter bis an den Fluß des Jebel Harun, wo er Aaron ein Tieropfer darbrachte. Mißtrauisch überwachte ihn sein Begleiter. Gleichwohl gelangen Burckhardt schon während des ersten kurzen Besuchs erste Planskizzen der antiken Stadt und des "Pharao - Schatzhauses". Burckhardt wußte was er hier entdeckt hatte, die Ruinen der antiken Nabatäerstadt Petra!

Petra öffnet sich ...
Die nabatäische Felsenstadt Petra gehört zu den eindrucksvollsten Ruinenstädten der Welt. Ihren Namen - das griechische PETRA bedeutet "Fels" - hat sie von dem roten Sandsteinfelsen, indem die Erbauer der Stadt ihre Prunkbauten und Grabmonumente gehauen haben. Petra liegt hoch über dem Wadi Araba bei Wadi Musa (Mosestal), nicht weit von der historischen Königsstraße, dem heutigen King`s Highway. Es ist von Aman 277 km. weit entfernt, die Entfernung zu Aqaba beträgt 129 km.
Die Felsenstadt ist heute ein touristisches Ziel ersten Ranges. Dies verdankt sie bereits durch in der Antike berühmte Lage im Sandsteinmassiv, welches einen Teil des Sandsteingebirges östlich des Grabenbruchs zwischen Totem und Rotem Meer bildet. Aus dem stark verkarsteten Kalksteinboden entspringt die starke Quelle "Ain Musa", die Mosesquelle (die Bibel berichtet hierüber, daß Moses seinen "Gott" um Hilfe anflehte als er mit seinem Volke durch den Sinai zog und an dieser Stelle auf Geheiß "Gottes" Wasser aus dem Stein schlug - im späteren Altertum führten Kilometer lange Leitungen das Wasser der Quelle in den Felsenkessel von Petra.), welche am Rande der Wüste günstige Bedingungen für einen Rast und Wohnplatz bietet.

Die Quelle ermöglicht hier erst menschliches Leben, die Abgeschiedenheit und Abgeschlossenheit des Tales hingegen gewährte Sicherheit. Die günstige Verkehrslage aber sorgte für Wohlhabenheit und Reichtum der Einwohner. So konnte Petra über Jahrhunderte hinweg seine wichtige Stellung innerhalb des Vorderen Orients halten.
Besiedlung seit Urzeiten:
Am Osthang des Wadi Araba haben in den Felsschluchten schon früh Menschen gewohnt: Aus der Jungsteinzeit, etwa um 6.800 v. d. Zw., stammen die Rundhäuser die man nahe Beidha ausgegraben hat. Sie gehören zusammen mit den Funden von Jericho und Amman zu den ältesten gefundenen Steinhäusern der Welt.
Als erstes namentlich bekanntes Volk siedelten in der Gegend um das Wadi Araba die Edomiter (Dtn 2, 12.22), Abkömmlinge des biblischen Esau, des Bruders von Jacob, der auch Edom, der "Rote", genannt wurde. Der Stamm wird übrigens in der Bibel öfters unter den Erzfeinden Israaels genannt. Dies hat wahrscheinlich in den großen edomitischen Erzvorkommen und dem edomitischen Hafen am Golf von Aqaba/Elat zu tun, welchen die Juden schon immer begehrten. Eine Edomitersiedlung wurde auf dem überragendem Sandsteinmassiv Umm el Biyara im westlichen Teil Petras ausgegraben, wo das Hochplateau 330 m. tief zur Mitte des Talkessels hin abbricht. Geschichtlich ist übrigens interessant anzumerken, daß der jüdische König Amazja von Juda (796 -781 v. d. Zw.) zehntausend gefangene Edomiter hier von einem Felsen ( Umm el-Bijara bei Petra) stürzen ließ (2 Chr. 25, 11-12). Die in der Bibel erwähnte Edomiterfestung SELA, der Name bedeutet wie das griechische Wort "Petra" Fels, lag aber wahrscheinlich an einem anderen Ort, nämlich an der Westseite des Tales, 3 km. nördlich von Bosra. Die Nabatäer selbst waren ein nomadisch lebendes Volk, welche aus dem westlichen Teil er arabischen Halbinsel an diesen Ort kam und sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um das 6. Jahrhundert vor der Zw. im Talkessel von Petra niederließ.
Reich, Mächtig & Begehrt in allen Zeiten:
Petra konnte sich ein Heer leisten, welches Feinde wie z.B. Antigonus fern hielt. Die Stadt konnte sich sogar noch freikaufen, als die römischen Legionen 63 v. d. Zw. Syrien und Palästina eroberten und bewahrte so die Unabhängigkeit. Der entscheidende Fehltritt kam, als die Nabatäer sich auf die Seite der Parther in deren Streit mit Rom stellten. Die Römer annullierten den Unabhängigkeitsvertrag und marschierten ein. Auch in Petra begannen die Römer, die Stadtanlage wie überall in ihrem Weltreich nach ihrem Geschmack umzubauen. Da die Ruinen noch heute Touristen aus aller Welt anziehen, wie überwältigend muß dann erst die Stadt in ihrer Blütezeit gewesen sein.
Julius Cäsar und Kleopatra:
Die Ptolemäerin Kleopatra soll zu Beginn ihrer Affäre mit dem alternden Julius Cäsar vorgeschlagen haben, daß er ihr zum Beweis seiner Liebe Petra schenke. Julius Cäsar scheute jedoch davor zurück und schenkte der Pharaonin Kleopatra lieber die Stadt Jericho. Kleopatra gab sich widerwillig mit dieser kleineren Geste seiner Liebe zufrieden.

Herodes der Große, Petra und eine anrüchige Geschichte:
Da es nie genügend gebürtige Römer gab, um das ständig wachsende römische Reich zu verwalten, wurden selbst an höchsten Stellen Einheimische postiert. Herodes der Große war ein solcher Einheimischer. Allerdings hatte Herodes eine kleine Identitätskrise zu bewältigen, da er von Geburt an Idumäer, also Edomiter, von Beruf aber Jude, aus Pflicht Römer und aus kultureller Neigung "Wahlgrieche" war.
Herodes Auseinandersetzungen mit "Johannes dem Täufer" fingen mit der Festung Machaerus/Mukawir an und endeten auch dort. Ihre Feindseligkeit begann, als Herodes plante, eine seiner Frauen (er hatte übrigens 10 Frauen) in Mukawir einzukerkern, weil sie seine Beziehung zu seiner Schwester vereiteln wollte. Die Frau flüchtete noch zu ihrem Vater nach Petra, aber Johannes fand die ganze Geschichte äußerst Geschmacklos und gab dies auch offen kund. Diese Worte kosteten ihm die Freiheit; er wurde nach Mukawir verschleppt und nach angemessener Frist dort enthauptet ...
Wir sehen also wie die Stadt Petra schon zu allen biblischen Zeiten und in allen wichtigen Streitereien, Liebesaffären und geschichtlichen Höhepunkten immer wieder eine bedeutende Rolle spielte.
Der Siq:

Bewegen wir uns nun von den aufregenden geschichtlichen Tatsachen weg und begeben wir uns nach Petra hinein. Wie in der Antike die Karawanen, die nicht durch den Siq in die Stadt zogen, stehen heute die Beduinen mit Pferden bereit auf deren die Besucher in die Stadt reiten können. Ich selbst zog es vor zu Fuß durch den Siq in die Stadt zu gehen, obwohl max. 3 US Dollar für einen Pferderitt sicherlich nicht zuviel gewesen wäre. Allerdings hätte ich dann die atemberaubende Sandsteinfelsenschlucht (Siq) welche als einziger Zugang zu Petra fungiert nicht so hautnah miterleben können. Der nubische Sandstein in braunen bis rotvioletten Tönen ist nach meiner persönlichen Einschätzung so gut wie einzigartig auf der Welt. Erst der vielfarbige Sandstein macht Petra zu dem was es ist - Weltkulturguterbe und eine Augenweide für jeden Besucher, welcher sich Zeit nimmt die Wunder der Nabatäer und der Natur zu erleben. Der Siq selbst ist ein perfekt zu verteidigender Zugang zu Petra, da die Sandsteinfelsen bis zu 50 m. hoch hinaufragen und sich teilweise bis auf 2 m. nähern. Oft ist es in früherer Zeit vorgekommen, daß bei Überschwemmungen der Siq blitzartig vollief und die sich in ihm befindlichen Personen ertränkte - ein Entkommen war unmöglich ...
Die Kultur und der Totenkult der Nabatäer:

Das Bild Petras wird in ganz eigentümlich Weise von den sog. Grabfassaden geprägt, welche das Stadtbild beherrschen. Der Stil der Fassaden verrät uns viel über die kulturellen Kontakte der Nabatäer. Sie waren in vielem abhängig, bewahrten aber viele Elemente ihrer Kultur aus der Wüste. Dies gilt insbesondere für die Religion der Nabatäer, die im Vergleich mit der biblischen von größtem Interesse ist. Nicht nur mit dem Opferkult waren kultische Mahlzeiten verbunden, sie gehörten auch zum Totenritual. So findet man beim Obeliskengrab, die erste monumentale Grabfassade ( am Sammelplatz der Pferde, bevor man in den Siq einreitet ... ), ein Triklinium, welches Offenkundig mit dem Totenkult in Verbindung steht.

Es ist sehr schade, daß die Nabatäer ihre Geschichte nicht aufgezeichnet haben. Bei den in nabatäischer Schrift und Sprache erhaltenen Zeugnissen handelt es sich meistens um Gedenkinschriften. Am oberen Rand einer der steilen Felswände, die den Weg zum Siq säumen, gegenüber dem Obeliskengrab, entdeckte J. T. Milik im Jahre 1960 eine zweisprachige Inschrift, die man leicht übersieht, wenn man vom ersten Anblick des Obeliskengrabes gefangen genommen ist.
Diese in Stein gemeißelte Inschrift stammt allerdings nicht von einem Nabatäer, sondern wohl von einem damals hier lebenden Ausländer, der sich als "Diener des Königs Malichos" bezeichnete. Unmittelbar vor dem Eingang in den Siq entdeckte man 12 kleine in den Stein gemeißelte Grabstelen. Auf einer von ihnen steht sogar der nabatäische Name für Petra: REKEM. "Das ist die Grabstele (nabatäisch: nefesch) des Petraios, des geliebten Adoptivsohnes, welcher die Stadt Petra (nabatäisch: rekem) aufstellen ließ. Er starb in Gerasa ..."
Hier wird der Stein zum Medium:

Das antike Petra präsentierte sich damals sehr vornehm. Über den Siq spannte sich ein leider heute eingestürzter Torbogen. Die einzigartige Atmosphäre, die jeden Besucher nach Betreten des Siq umfängt ist oft beschrieben worden, doch läßt sie sich schwer in eigene Worte fassen. Wenn nicht gerade die Hufe der Reitpferde und die Rufe der Beduinen die sie führen, die Stille durchbrechen, läßt sich der Eindruck wohl am besten wiedergeben mit den Worten: "Hier wird der Stein zum Medium"!
Absolut überwältigt wird man im Augenblick des Verlassens des Siq`s. Vor einem liegt urplötzlich das große Schatzhaus der Nabatäer, welches wie vorhin beschrieben als Kulisse für den Indianer Jones Film "Auf der Suche nach dem heiligen Gral" gedient hat. Es ist hier wirklich die Frage ob das Wort überwältigt überhaupt ausreicht um zu beschreiben, was man persönlich fühlt, wenn man aus dieser Enge des Siq heraustritt und eine Fassade vor sich sieht, welche an Größe und natürlicher Schönheit mit keinem anderen Gebäude auf der Welt auch nur vergleichbar ist. Insbesondere wenn man weiß, wie alt diese Fassade bereits ist und wer sie bereits alles gesehen hat. Bei der schönen Fassade bleibt es dann allerdings auch, denn geht man in das Innere, sieht man nichts als einen sehr großen und hohen aber leider leeren Raum. Diesem schließt sich nichts an und man ist unwillkürlich ein wenig enttäuscht nach der doch so atemberaubenden Fassade.

Auf den Spuren der Geschichte:
Wenn man weiter nach Petra hineinläuft erkennt man immer wieder neue Farbvariationen im Buntsandstein, man sieht immer neue Grabpaläste, immer neue Möglichkeiten der Gestaltung ein und desselben Themas: Leben und Tod. Tatsächlich muß Petra in seiner Blütezeit überaus atemberaubend gewesen sein, wenn nach so vielen Jahrhunderten noch eine dermaßen große Schönheit zurückbleibt. Anwesend in Petra sind nur die Touristen und die Beduinen, welche allerdings außerhalb von Petra ihr Domiziel haben. Petra selbst ist eine Geisterstadt, einmal von den halbverhungerten Katzen abgesehen, die man überall in der Stadt antrifft.
Geschichtlich gesehen ist Petra eine Stadt ersten Ranges, da sie bereits zu Zeiten bewohnt war, wo sich auf der Erde noch die "Götter" zeigten. Wer weiß, ob auch nicht einer dieser "Götter" die gleichen Gedanken hatte beim Anblick dieser Stadt, erbaut aus Buntsandstein, welche wie ein Medium für Raum und Zeit wirken ...