Lebensgroße Statue eines Keltenfürsten auf dem Glauberg entdeckt!
Keltische Großplastik vom Fürstengrab am Glauberg
von Dr. Fritz-Rudolf Hermann Landesarchäologe von Hessen
Der Glauberg bei Glauburg-Glauberg im Wetteraukreis, 8 km. westlich von Büdingen gelegen, zählt mit seinen Befestigungsanlagen aus verschiedenen Zeiten zu den herausragenden archäologischen Kulturdenkmälern Hessens und wird sogar als das bedeutendste Denkmal Hessens bezeichnet.

Nachdem in den Jahren 1933 bis 1939 umfangreiche Ausgrabungen durch Prof. Heinrich Richter stattfanden, deren Ergebnisse großenteils im Krieg verloren gingen, untersucht die Archäologische Denkmalpflege Hessen seit 1985 in jährlichen Grabungskampangnen die Besiedelungsgeschichte dieses von der Jungsteinzeit bis in das hohe Mittelalter zentralen Ortes der fruchtbaren Wetterau und den Aufbau der Befestigungen auf dem Bergplateau.
Für die frühkeltische Zeit im 6. und vor allem im 5. Jahrhundert v. Zw. erwies die Entdeckung und Ausgrabung des Fürstengrabhügels am Bergfuß in den Jahren 1994 und 1995, daß auf dem Berg - ganz am Nordrand des keltischen Kerngebietes - ein frühkeltischer Fürstensitz lag. Das gewaltige Grabmal bestand, wie die Forschungen der letzten beiden Jahre ergaben, nicht nur aus dem Hügel mit 48 m. Durchmesser und dem umgebenden Kreisgraben von 10 m. Breite und über 3 m. Tiefe. Zu dem Hügel hin führte aus Südosten eine 350 m. lange von Gräben begleitete Prozessionsstraße, die über 10 m. breit war. Dieses landschaftsbeherrschende Denkmal ist in seiner Monumentalität und Ausprägung einmalig und man kennt bisher keine vergleichbaren Grabbauten.
Außer der Hauptbestattung des Fürstengrabes, die im Jahre 1994 geborgen wurde, fand sich am Hügelrand in der Mitte der Prozessionsstraße 1995 ein zweites fürstliches Grab. Die beiden Gräber gehören zu den reichsten, die in Mitteleuropa aus dem 5. Jahrhundert v. Zw. bekannt sind. Ihre Bedeutung liegt - neben den hervorragenden und einzigartigen Fundstücken - auch darin, daß sie nicht schon in alter Zeit beraubt oder unkontrolliert und lückenhaft geborgen worden sind, sondern jetzt in der archäologischen Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden sorgfältig freigelegt und untersucht werden können.
Der Goldhalsring und die keltische Schnabelkanne mit ihrem Figurenschmuck aus Grab 1, eines von nur sechs bekannten Exemplaren, versprechen ebenso wie die keltische Röhrenkanne aus Grab 2, eines von nur fünf vergleichbaren Stücken, und die übrigen Funde neue Erkenntnisse über die keltische Welt und die Entwicklung der keltischen Kunst.

Überraschend und einmalig ist erneut ein Fundstück, das bei weiteren Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen im Randbereich des Fürstengrabhügels am 24. Juni 1996 zutage kam. Es handelt sich um die Großplastik eines keltischen Fürsten. Die lebensgroße Steinstele aus rötlichem Sandstein ist vollplastisch gearbeitet. Mit Ausnahme der Füße, die abgebrochen sind, ist sie vollständig und unbeschädigt erhalten. Sie ist insgesamt 1,86 m. hoch und wiegt etwa viereinhalb Zentner (230 +/- 10 kg.). Die Figur trägt auf dem Kopf eine sogenannte Blattkrone, ein verschiedentlich dargestelltes Attribut, das bisher Göttern zugeordnet wurde. Sie ist bekleidet mit einem Panzer, bewaffnet mit Schwert und Schild, und ausgestattet mit dem gleichen, im Grab teilweise goldenen Ringschmuck wie der Tote in Fürstengrab 1: Halsring mit Balustern (keulenförmigen Zierstücken), Armring und Fingerring und weiteren Armringen. Die Vermutung liegt nahe, das es ein Abbild oder aber auch das Vorbild - einer der im Hügel bestatteten Toten ist.
Der ursprüngliche Standort der Stele ist nicht bekannt. Sie könnte auf der Kuppe des Hügels gestanden und ihn bekrönt haben. Denkbar ist aber auch die Aufstellung in einem neben dem Hügel gelegenen heiligen Bezirk, der dem Ahnenkult diente. Die Gründe, weshalb die Stele von ihrem Standort entfernt und an der Fundstelle, einem seitlichem Grabenabschnitt, sorgfältig niedergelegt und verborgen wurde, entziehen sich unserer Kenntnis.
Der Fund gehört zu den größten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte in Europa. Es gibt aus dieser Epoche, dem 5. Jahrhundert v. Zw., überhaupt nur 4 Stelen, die zum Vergleich herangezogen werden können; sie sind aber nur in Bruchstücken erhalten oder stark stilisiert. Unter diesen ist die vom Glauberg nicht nur die besterhaltene, sondern auch die mit den reichsten Details, die in das Denken und die Vorstellungswelt der Kelten einen Einblick geben.
Buchhinweis:
In diesem Fundzusammenhang weise ich ausdrücklich auf das, den Gesamtfund begleitende Buch: "Die Keltenfürsten vom Glauberg" hin, aus der Reihe Archäologische Denkmäler in Hessen 128/129. Das Buch ist broschiert für DM 10,00 oder als Pappband für DM 20,00 in allen Buchhandlungen erhältlich.