Die Irminsul - ein germanisches Kultheiligtum -

 

Auf dem Feld der Vor- und Frühgeschichte in Deutschland kann eine gründliche Forschung eine reiche Ernte einbringen. Gerade insbesondere auf dem Themenkomplex Externsteine/Irminsul gibt es viele Felder die einer eingehenden Bearbeitung bedürfen.

Der Laie fragt sich sicherlich nun :"Was ist die Irminsul und in wie weit können wir gewonnene Erkenntnisse in unser Weltbild einfügen.

Beginnen wir also mit einer Studie zum Feldzug 772 von Karl dem Großen , welcher nur einem Zweck diente :

Die Zerstörung der Irminsul

Schwierigerweise weiß heute niemand mehr so genau wo die Irminsul nun eigentlich gestanden hat und wie sie überhaupt ausgesehen hat.

Das Christentum hat ein dermaßen großes Interesse an der Zerstörung dieses Kultheiligtums gehabt , daß Sie sich aller größte Mühe gegeben haben über Jahrhunderte den Standort der zerstörten Irminsul nicht preis zu geben. Wer sich jedoch aller größte Mühe gibt, hinterläßt eine Spur und diese wollen wir nun lesen...

Die Irminsul muß so einmalig gewesen sein - das Ihre Zerstörung fast volle 3 Tage in Anspruch nahm und darauffolgend die Irminsul nicht wieder aufgebaut werden konnte. In fragmentarisch erhaltenen Texten und Überlieferungen wird immer wieder von der Himmelswelle gesprochen.

Das Aussehen der Irminsul läßt bisweilen auch diesen Schluß zu...

Doch zurück zum Feldzug der Christen 772 unter Anführung Karl des Großen. Dieser Feldzug wurde so heimlich geplant das nichts nach außen drang den die Sachsenstämme durften nicht wissen um was es hier überhaupt ging. Der Angriff traf oberflächlich nicht die Irminsul selbst sondern konzentrierte sich zuerst auf einen völlig anderen Punkt.

Dem Frankenreich waren die Sachsenstämme ein Dorn im Auge insbesondere deswegen , weil sie sich dem Christentum nicht unterwarfen. Ihre religiöse Verehrung war fokussiert auf die sog. Irminsul wobei es im Sachsenland mehrere Irminsulen gegeben hat . Doch nur eine war unersetzlich und konnte nicht mehr ersetzt werden.

Diese wollte Karl der Große nun trickreich in einem Feldzug zerstören, um den Sachsen die Unfähigkeit Ihrer Götter vorzufahren und sie somit dem Christentum zu unterwerfen. (Geschichtsversierte erinnern sich in diesem Zusammenhang an den Fall der gefällten DONAREICHE ).

Wichtig im Zusammenhang mit der Zerstörung der Irminsul , ist die Tatsache , daß ein übergroßes Kontingent an Geistlichen das Heer begleitete - dies wird in den Analen ausdrücklich erwähnt.

Das Heer Karl des Großen setzte sich vom Grenzland aus in Bewegung auf die Eresburg . Diese wurde ohne größere Verluste genommen . Nun mußte der zweite und entscheidende Stoß schnell und ohne Kompromisse ausgeführt werden. Viele Historiker und Forscher sind, wie ich schon angemerkt habe, sehr unterschiedlicher Auffassung wo die Irminsul gestanden hat.

Auf der Eresburg / bei den Externsteinen / auf der Iburg , etc.

Während der Jahre 1933 bis 1945 wurden vom SS - Rassehauptamt "Ahnenerbe" umfangreiche Untersuchungen auch in Richtung der Irminsul angestellt. Zu meinem größten Bedauern sind die Schriften durch Krieg und Zerstörung durch die Alliierten uns nicht mehr zugänglich.

Das Rassehauptamt "Ahnenerbe" war jedoch der Ansicht - der festen Überzeugung, daß die Irminsul bei/ oder auf den Externsteinen gestanden hat .

Umfangreiche Ausgrabungen haben zumindestens bei den Externsteinen einiges zu Tage geführt welches nachher (nach "45 - wieder schnell zugeschüttet wurde.). Jedoch bleibt wohl nach vollständiger Betrachtung des Materials die Schlußfolgerung : Das die Irminsul höchstwahrscheinlich nicht bei den Externsteinen zu finden war/ist.

Die Externsteine sind jedoch nichts desto trotz ein bedeutendes Kultheiligtum gewesen, welchem damals ein hoher Stellenwert zugemessen wurde . Die Externsteine selbst müssen vor Jahrhunderten über und über mit menschlichen und tierischen Darstellungen überseht gewesen sein.

Wenn nun die Externsteine nicht der Sitz der Irminsul gewesen ist, wo war Sie dann zu finden....

Wir könnten für so ein Kultheiligtum mehrerer Stämme eine zentrale Lage erwarten. Auch die bequeme Fahrt dorthin muß wohl gesichert worden sein ( eventuell durch eine naheliegende Handels- o. Heerstraße.

In den Reichsanalen wird berichtet das die Irminsul :

 

..."fanum et locum eorum famosum Irminsul..."

 

in einem Hain gestanden hat. Auch was Karl der Große dort darüber hinaus fand ist beschrieben :

... aurum et argentum , quod ibi repperit, abstulit"

Schätze aus Gold und Silber.

Da wir in Bezug auf die Irminsul aber mit großen Schätzen rechnen können , sind diese sicherlich im Schutze einer Burg untergebracht gewesen

Der dritte Punkt für den vermutlichen Standort der Irminsul, ist die Aussage :

rivi ac fontes... "

Die Irminsul hat also in einer Gegend gestanden wo Bäche und Quellen zu finden waren. Welche aber zur Zeit des Kreuzzuges , ausgetrocknet waren. Auch müssen sich in der Nähe Berge befunden haben :

( Den eine Quelle entsprang in der Nähe des Heeresplatzes ).

"...iuxta montem , qui castris erat contiguus...

11 * Vielfach beschriebenes Quellwunder

Der wichtigste Punkt allerdings ist die immer wieder praktizierte Weise der Äbte/Mönche und Priester an den Stellen wo germanische Heiligtümer gestanden haben , ihrerseits nun Kirchen zu bauen. Dies zeigt die Fällung der Donareiche durch Bonifatius . Aus dem Holz erbaute er die Peterskirche in Geismar.

Der hl. Liudger von Altfried zerstörte die Tempel auf Helgoland ( Fosete Kult ) und erbaute seinerseits eine Kirche für Christus.

Der Poet Saxo sagt :

Quot nunc ecclesiae fulgent , ubi fana colebant Antiqui.

Wie viele Kirchen leuchten nun dort , wo die Vorfahren Ihre Heiligtümer hatten (verehrten). Auch Königin Mathilde berichtet über Widukind :

Kirchen hat er dort errichtet - wo er früher Götzenbilder aufgestellt.

Diese ganzen Beweise genügen wohl um zu sagen - daß an dem Standort der Irminsul frühzeitig eine christliche Kirche gestanden haben muß. Wahrscheinlich ist es auch - daß dies die erste Kirche war.

Diese Kirche , und nicht erst die 777 in Paderborn errichtete Salvator - Kirche ist die erste Kirche und somit der Schlüssel zur Irminsul.

Auf der Suche nach der Archidiakonatskirche :

Durch die Zerstörung der Irminsul und Bau einer Kirche auf Ihrem Platz - wobei der König (Karl) gleichzeitig auch Bauherr war ist dieses Land als Königsgut zu betrachten. Nicht selten wurde dieses Land anschließend durch Schenkung in Kirchengut überführt. (Besitz des Bischofs oder des Domkapitels).

Für den nun einzugrenzenden Standort kommen laut den Reichsanalen nur 5 Orte in Betracht :

1. Paderborn

2 . Der Düwelsnacken (die 436 m. hohe Bergkuppe zwischen Altenbecken und der Iburg)

3 . Die Externsteine (welche wir jedoch schon ausgeschlossen haben.)

          4. Die Eresburg

          5. Die Iburg

Wir wollen nun systematisch einen Punkt nach dem anderen abarbeiten: 1. Paderborn:

Paderborn besitzt eine sehr alte Archidiakonatskirche aus dem Gründungsjahr 777 ( also 5 Jahre nach der Zerstörung der Irminsul gegründet ) sowie einen alten Königshof aus dem gleichen Zeitraum.

Jedoch könnte in Paderborn nie für das Heer Karls des Großen ein Wassermangel eintreten( wie in den Reichsanalen beschrieben ) vielmehr hat Paderborn schon immer Wasser mehr als genug.

2. Der Düwelsnacken

Der Düwelsnacken ist die 436 m. hohe Spitze (Kuppe) eines Berges zwischen Altenbecken und der Iburg. Der Autor W. Müller - Weimar hat in Werken zwischen 1935 und 1937 versucht den Standort auf dem sog. Düwelsnacken zu verlegen. Jedoch sind Wasserarmut und der Name ( Teufel = Heidentum ) nicht schlüssige Beweise. Auch das fehlen von Königsgut , einer Burg oder der Archidiakonatskirche sprechen gegen Müllers These.

3. Die Externsteine :

Die Externsteine haben zwar eine ausgesprochene gute Lage aber bei den Externsteinen fließt die Wiembeke ( ein kleiner Fluß ) vorbei. Ferner fehlt auch hier das Königsgut und die wichtige Archidiakonatskirche. Das Kloster Abdinghof erwirbt erst im Jahre 1093 den Besitz der Externsteine aus Privathand ! Die bei den Externsteinen vorhandene Kapelle ist erst im Jahre 1115 geweiht worden. Man hätte bestimmt niemals 300 Jahre ( ca. ) gewartet und erst dann den Boden christlich gesegnet ...

4. Die Eresburg :

Die Eresburg erfüllt zuerst einmal ohne weiteres die Grundvoraussetzungen für den Standort - allein schon im Hinblick auf die Burg und die Gebirgslage. Auch die große militärische Bedeutung spricht für die Eresburg , ebenso die Archidiakonatskirche und das vorhandene Königsgut.

Die Tradition dieser Behauptung - die Irminsul stand auf der Eresburg läßt sich bis in das 11. Jahrhundert zurückverfolgen. Man könnte glauben das die Einhards-Annalen zum Jahr 772 - genau das aussagen - nämlich das die Irminsul auf der Eresburg stand.

Die Gegenargumente sind jedoch schwerwiegend :

Die verkehrslage im Grenzland ist sehr ungünstig. Die Eresburg wurde in den Jahren nach 772 weiter bewohnt . Dies läßt darauf schließen das hier die von Karl's Armee vorgenommene 3 tägige Zerstörung nicht stattgefunden hat.

Die Eresburg liegt, wie die Externsteine an einem Fluß ( die Diemel ). Die vorhandene Kirche wurde erst im Jahre 785 erbaut - also viel zu spät ! Beschäftigen wir uns also mit der Iburg - dem wahrscheinlichsten Standort für die Irminsul.

"Karl... zog unverweilt dahin, verwüstete alles mit Feuer und Schwert, eroberte die Feste Aeresburg (Eresburg) und zerstörte das Götzenbild, das die Sachsen Irminsul nannten".

5. Die Iburg :

Die Iburg liegt sehr geschätzt gegen Einfälle zentral im ehemaligen Sachsenland. Die Iburg ist eindeutig eine sächsische Burg - dies beweisen die Reichsannalen sowie die Einhards-Annalen. Die Umgebung ist gebirgig und wasserarm. Der Papst Leo III. bittet Karl im Jahre 799 die Burg der Kirche für alle Zeit zu überschreiben. Die Iburg wird Besitz der Paderborner Kirche.

"...Et tunc ad peticionem pape Karolus de dit ecclesie Paderburnensi castrum Iborch , de quo supra dictum est."...

Wichtig hierbei ist , daß das Interesse des Papstes an der Iburg nicht zu erklären ist ! Trotz der ungünstigen Lage wurde die Kirche auf der Iburg Archidiakonatskirche. Sie ist die älteste ihres weiten Sprengels. Die Zerstörungen die das Heer Karls herbeiführte werden gestützt von der Aussage der später ansässigen Nonnen :

Die Gegend ist öde und leer , nichts wächst oder gedeiht hier.

(Urkunde von 1142).

Die Marschlinie Karls führt von Hellweg in Richtung auf Höxter, also genau über die Iburg. Die andere Marschvariante geht über die Externsteine - welche wir aber vorweg ausgeschlossen haben.

Die Kirche hat die Weisung herausgegeben, daß das Kloster und die Kirche auf der Iburg nie verfallen dürfen und immer unterstützt werden müssen. (Eine einmalige, und hier wohl auch sonderliche Weisung). Wenn nicht , ja wenn Auch der Name Iburg weißt auf die alten und heiligen Haine welche sich bei der Irminsul befunden haben müssen. Wichtigster Kultbaum war hier wie andernorts die Eibe.

Auch der Name des Weltenbaumes Yggdrasil zu Iburg oder damals noch Yburg bedeutet - Eibensäule.

Auch die Eibengöttin hieß Ingun , wieder eine verwandtschaftliche Beziehung zu Iburg.

Iburg = Eibenburg - heilige Burg

Nachfolgend können wir uns nun , wo wir den Standort der Irminsul lokalisiert haben , jetzt mit der Interpretation und Erklärung beschäftigen - was die Irminsul überhaupt ist . Es gibt bedauerlicher Weise nur wenige bis gar keine Überlieferungen über den Sinn und Zweck , sowie das genaue Aussehen der (Ur-) Irminsul. Ein Großteil der verfügbaren Informationen haben wir nur von den erklärten Feinden der Irminsul (z.B. das Christentum/Papsttum) ... Dies erklärt natürlich wieso Mutmaßungen über Sinn und Zweck nur sehr dürftig aussehen können.

Nichtsdestotrotz behält die Irminsul und Ihr Name immer ein bestimmendes Charakteristikum. Somit können wir davon ausgehen , daß die Abbildungen der Irminsul auf den tatsächlichen "Körper" hindeuten bzw. eine grobe Vereinfachung beinhalten jedoch Sinn und Zweck uns eventuell offenbaren können.

In den uns zugänglichen Quellen wird immer wieder von der sog. heiligen Himmelswelle gesprochen. In Verbindung mit der Form könnte man sich eine gewisse Konstruktion vorstellen die einer Aufhängung nicht unähnlich wäre.

 

Literaturnachweis:

Karl Schoppe - Die Irminsul - Forschungen über Ihren Standort - 1947 - Verlag Ferdinand Schöningh - Paderborn

Ferdinand Seitz - Die Irminsul im Felsenrelief der Externsteine 1962 - 3. Auflage - Franz von Bebenburg Verlag - Pähl (Oberbayern)

Fritz Walter - Die Zerstörung der Irminsul - Eine Studie zum Feldzug im Jahre 772 - 1954 - Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg - Pähl Obb.

Dr. A. Lambardt - Ursymbole der Megalithenkultur - Zeugnisse der Geistesurgeschichte - Erscheinungsdatum : unbekannt - Verlag Heitz & Höffkes , Essen.

E. Neumann-Gundrum - Arbeitsspuren an megalithischen Großskulpturen 1989 Jung Verlag Herborn.

Ferdinand Seitz - Rätsel um die Externsteine - 1962 - Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg - Pähl Obb.

Ulrich von Motz - Die Externsteine - Ein Volksheiligtum - 1954 - Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg - Pähl Obb.

Freerk Haye Hamkens - Der Externstein - Seine Geschichte und seine Bedeutung - 1971 - Grabert Verlag - Tübingen .