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Übersee-Museum Bremen

Die Wiederentdeckung des Goldes

Goldkammer und Kulturen des Andenraumes

von Frau Dr. Viola König

GOLDKAMMER UND KULTUREN DES ANDENRAUMES

Als die Spanier zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Südamerika kamen, waren zahlreiche hochentwickelte Kulturen der Neuen Welt längst untergegangen. Umweltveränderungen und kriegerische Konflikte mit Nachbarn und Neuankömmlingen waren die Ursache. Im Gebiet des heutigen Kolumbien stießen die Europäer auf kleinere, unabhängige Häuptlingstümer, weiter im Süden entlang der Pazifikküste und in den Anden herrschten die Inka über ein riesiges Reich.

Da weder die Völker des Alten Kolumbien noch die vor-inkaischen Kulturen im Andenraum Schriftsysteme kannten, ist man bei der Rekonstruktion der vorspanischen Geschichte Südamerikas auf archäologische Funde und ihre Interpretation angewiesen. Neuere Ausgrabungen haben die wirkliche Ausdehnung der Zeremonial- und Wirtschaftsszentren und ihre ausgeklügelten Architekturen deutlich werden lassen, immer noch aber stützen sich unsere Kenntnisse über Alltag und Kult der alten Kulturen Südamerikas vor allem auf die Bodenfunde, z.B.die umfangreichen Grabbeigaben, die sich besonders im trockenen Wüstensand an der Pazifikküste gut erhalten haben.

Ohne die ausgeprägten Bestattungskulte wüßten wir über diese Kulturen nur sehr wenig. Wissenschaftlich sorgfältig durchgeführte Grabungen werden jedoch erst seit wenigen Jahrzehnten durchgeführt.

Waren die Europäer zunächst nur am Gold interessiert, so führte ab dem 19. Jahrhundert das neu erwachte Interesse an präkolumbischen Altertümern zur Raubgräberei im großen Stil. Gräber wurden von Grabräubern (Huaqueros) geplündert, zerstört, verwüstet und die Spuren anschließend verwischt. Viele Museumssammlungen stammen aus Raubgrabungen oder frühen, häufig unprofessionell durchgeführten Grabungskampagnen, doch nur ein Bruchteil der Funde aus Raubgrabungen gelangte in Museen.

In Peru und Kolumbien ansässige deutsche Kaufleute, Reisende und Wissenschaftler führten große archäologische Sammlungen ganz legal außer Landes, bis die südamerikanischen Landesregierungen die Ausfuhr durch neue Gesetze zu unterbinden suchten. Die Raubgräber im eigenen Land ließen sich dadurch von ihrer Tätigkeit nicht abhalten und organisierten sich sogar in einer "Vereinigung kolombianischer Grabsucher".

Die Goldkammer

Die Geschichte des Bremer Goldschatzes

Das im Übersee-Museum ausgestellte Gold wurde aus Gräbern geplündert oder bei Raubgrabungen zutage gefördert. Es befand sich ursprünglich im Besitz des kolumbianischen Sammlers Vicente Restrepo aus Medellin, der es dem Bremer Kaufmann Carl Schütte (1 839-1917) übereignete. Im Jahre 1900 schenkte Schütte den knapp acht Pfund wiegenden Goldschatz dem damaligen Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde.

Die Goldgewinnung in Alt-Kolumbien

Aus Flüssen und Bächen wurden Nuggets, Körner oder Goldstaub mittels flacher Schüsseln ausgewaschen oder aufgesammelt. Jedoch kannte man auch den bergmännischen Abbau.

Die Aufbereitung des Goldes

Man schmolz das Gold in großen, über dem Feuer stehenden Keramikgefäßen auf. Mehrere Goldarbeiter bliesen dazu gleichzeitig mit Kupferrohren ins Feuer und erhöhten dessen Temperatur, so daß das Gold den Schmelzpunkt von 1063 Grad erreichte. Ein Ausschmelzen des Goldes und seiner Legierungen war so möglich.

Die Werkzeuge und Materialien

Die Werkzeuge unterschieden sich im Prinzip nicht von den heutigen Geräten: Schmelztiegel wurden ebenso verwendet, wie Hämmer und Ambosse, Formen zum Treiben von Objekten oder offene Gußformen für den Herdguß und Setzstifte oder kleine Kupfermeißel. Beim Guß in verlorener Form wurden Wachs, Lehm und Holzkohle zur Herstellung der Gußform verwendet.

Die Legierungen

Legierungen oder Mischungen verschiedener Metalle stellten die Ureinwohner Kolumbiens bewußt her. Besonders häufig wurde eine Gold-Kupfer-Legierung namens Tumbaga verwendet, die einen niedrigeren Schmelzpunkt als reines Gold oder reines Kupfer hat, (bei einer Legierung von 82% Gold und 18% Kupfer liegt der Schmelzpunkt bei 880', während der Schmelzpunkt von reinem Gold bei 1063 Grad Celsius und bei reinem Kupfer bei 1083 Grad Celsius liegt) und leichter zu verarbeiten ist. Durch Legieren konnte man das Gold rot (mit Kupfer) oder weißlich (durch Silber) färben oder bei Goldmangel das Material strecken.

Die Bearbeitungstechniken

Hämmern und Treiben von Gold waren entwicklungsgeschichtlich die frühesten Techniken. Aus dünn gehämmerten und geglühten Blechen schnitt man mit Meißeln die Gegenstände aus. Zum Treiben benötigte man dickere Bleche, die man über eine Holzform arbeitete. Muster wurden u.a. mit Punzen angebracht. Gravierte Goldgegenstände waren selten, vermutlich, weil sich die dafür notwendigen Geräte bald abnutzten.

Neben diesen Techniken wurde der Goldguß meisterhaft angewendet. Sowohl der Herdguß als auch der Guß in verlorener Form (ä cire-perdue) waren bekannt. Für ersten benötigt man eine auf der Rückseite offene Gußform. Bei letztem wird der zu gießende Gegenstand in Wachs modelliert, Eingußöffnung und Gußkanäle aus Wachs angebracht, und anschließend mit einem Holzkohle-Lehm-Gemisch ummantelt. Die getrocknete Form wird gebrannt, das Wachs ausgeschmolzen. In den so entstandenen Hohlraum wird das flüssige Metall gegossen. Zur Entnahme des Werkstücks muß die Gußform zerschlagen werden und ist "verloren". Neben gegossenem, falschen Filigran kannte man auch echtes, wofür man Draht mit zangenähnlichen Instrumenten auszog oder Drähte aus kleinen Barren hämmerte. Um Material zu sparen wurde die Blattvergoldung angewandt, sowie das Abkochoder mise-en-couleur-Verfahren für Tumbaga-Objekte.

Zerbrochene Goldgegenstände reparierte man, indem man sie mit Draht quasi "aneinandernähte". Aber auch Schweißen und Löten waren bekannt.

Gesellschaftliche Bedeutung des Goldes

Fürsten und Häuptlinge in den zahlreichen Fürstentümern Kolumbiens besaßen das Monopol auf Gold, Salz und Sklaven und waren bedeutende Händler mit Verbindungen bis nach Mittelamerika. Sklaven und Untertanen wuschen oder schürften Gold. Goldschmiede waren den Herrschern verpflichtet. Goldschmuck und Goldobjekte erhöhten ihr Prestige, was auch in den Grabbeigaben zum Ausdruck kam.

Gold spielte im Kult und bei Zeremonien eine Rolle. Goldene Votivgaben wurden in Seen oder in der Erde geopfert. Der Herrscher von Guatavita soll bei seiner Inauguration gesalbt und mit Goldstaub überpudert worden sein. So vergoldet ließ er sich mit einem Floß auf die Lagune von Guatavita rudern, um dort Goldopfer in Form von Goldgegenständen und Smaragden ins Wasser zu werfen, bevor er selbst in den heiligen See sprang, um den Goldstaub wieder abzuwaschen. Dieses Ritual führte bei den Spaniern zur Legende vom "EI Dorado".

Datierung und stilistische Einordnung

Die Kenntnis der Metallverarbeitung breitete sich in Amerika von Süden nach Norden aus. Bereits um 2000 n. Zw. betrieb man das Hämmern von Gold in Peru. In einigen Gebieten Kolumbiens wurde 1 000 Jahre vor der Entdeckung Amerikas Gold bearbeitet, in Mexiko zwischen 700 - 900 n. Zw.

Das hier gezeigte Material ist bis auf wenige Objekte ohne exakte Herkunftsangaben und aus dem archäologischen Zusammenhang gerissen. Die Datierung und Zuordnung der Stücke ist daher nur anhand stilistischer Merkmale möglich. Kolumbien, Panama und Costa Rica sind in Bezug auf die metallurgische Entwicklung als Einheit zu betrachten, für die die Verwendung von Gold-Kupfer-Legierung, Guß in verlorener Form und abreicherndes Vergolden besonders charakteristisch waren. Die Anzahl der von Wissenschaftlern propagierten Goldstile Kolumbiens schwankt. Wichtige Stile sind:

Quimbaya (200 n. - 1600 n. Zw.)

(Mittleres Caucatal)

Eindeutig lassen sich in diesen Stil bis zu 50 cm. hohe Flaschen und Menschenfiguren einordnen, die à cire-perdue gegossen, zu den hervorragenden Goldarbeiten der Welt gehören. Sie zeichnen sich durch eine glatte, polierte Oberfläche aus und durch einfache, elegante Formen. Das Übersee-Museum besitzt drei Objekte dieses Stils.

Calima (1000 v. - 1200 n. Zw.)

(Tal des Rio Calima, südliche Westkordillere)

Charakteristisch sind gehämmerte Objekte wie nierenförmige Anhänger oder Schmuckbleche, sowie Kalkspatel in Nadelform, z.T. aus unterschiedlich gefärbtem Gold bestehend.

Tolima (100 n. - 1000 n. Zw.)

(Provinz Tolima und Tal des Rio Saldaha)

Großer, anthropo-zoomorpher Brustschmuck oder Anhänger mit halbmondförmigem, unteren Ende; halbmondförmige, flache Anhänger mit Durchbrucharbeit, Pinzetten sowie Anhänger in Vogel-Fischgestalt. Sowohl Hämmern als auch Gießen wurden betrieben.

Muisca (650 n. - 1536 n. Zw.)

(Hochland von Bogota)

Naiv wirkende, flache Menschen- und Tierfiguren mit dünner Wulstauflage sowie Ketten mit identischen, kleinen Gliedern und rechteckige, große, durchbrochen gearbeitete Nasen-Zierate; Herdguß, Gravur, hoher Kupferanteil.

Tairona (650 n. - 1550 n. Zw.)

(Nordosten Kolumbiens, Sierra Nevada de Santa Marta)

Relativ kleine, sehr detailliert gearbeitete Schmuckgegenstände, mit Voluten, Flechtbändern und gedrehten Bändern verziert. Falsches Filigran- die Tumbaga-Gegenstände in mise-en-couleur-Technik vergoldet und poliert. '

Sinü (500 n. - 1000 n. Zw.)

(Sinü-Fluß, Tal des San Jorge)

Besonders typisch sind figürliche Stabaufsätze aus Gold, Ohrgehänge mit durchbrochenem, falschen Filigran, sowie Nasenschmuck und Anhänger in zoomorpher Gestalt; die Gegenstände sind relativ klein.

Nariñio (700 n. - 1500 n. Zw.)

(Südkolumbien/Pasto bis Grenze Ecuadors)

Paarig gearbeitete, scheibenförmige Objekte, die als Anhänger oder Besatz dienten und mit Raubtier- oder Menschengesichtern in Repoussè-Technik gearbeitet sind. Gegossene, halbmondförmige Anhänger mit Affen- oder Vogelfiguren sowie Nasenringe mit Filigranverzierung sind ebenfalls typisch.

Kulturen des Andenraumes - Übersicht

Chavin (1 500 v. - 300 v. Zw.)

Nördl. Hochland, frühe Kultur mit Monumentalarchitektur, Steinskulpturen, Zeremonialanlagen in U-Form, Bewässerungskanälen. Größte Ausdehnung im Zeitraum zwischen 380 und 210 n. Zw. Zentrum ist Chavin de Huantar. Wichtigstes Motiv in der lkonographie sind der Jaguar und anthropomorphe Wesen mit raubtierähnlichen Elementen (Fangzähne, Klauen u.a., "Katzengottheit").

Cupisnique (1 200 v.Chr. - 500 v. Zw.)

Nordküste

Paracas (550 v. - 100 v. Zw.)

Südküste, zu Beginn noch starke Einflüsse der Chavin-Kultur aufweisend. Nach den verschiedenen Totenkulten und Bestattungsformen unterscheidet man Paracas Cavernas (Einhüllen der Toten in geschmückte Leichentücher) und Paracas Necropolis (Mumienbündel in mehreren Lagen prächtiger Totentücher). Blüte der Textilkunst und Übergang zum Nazca-Stil.

Vicùs (400 v. - 300 n- Zw.)

Nordküste

Nazca (100v. - 650 n. Zw.)

Südküste, berühmt geworden durch die hervorragende polychrom Keramik, die feingewebten Textilien sowie die Scharrbilder (Nazca-Linien) in der Wüste. Zentrum der Kultur lag im Nazca-Tal südlich von Ica. Die lkonographie entwickelte sich von realistischen Motiven (Pflanzen und Tiere) zu abstrakten Symbolen in einem sehr typischen, unverwechselbaren Stil.

Moche (100 v. - 500 n. Zw.)

Nordküste, bekannt geworden durch die realistischen lebendigen Darstellungen, insbesondere auf der Keramik (typische Porträts, Tiere, Pflanzen, Dämonen, allerlei Tätigkeiten, Krieg, Sexualleben, Rituale, Mythologie etc.). Gehört zu den sog. "Klassischen Kulturen" mit Bewässerungssystemen, weitreichendem Handelsnetz, Tempel, Pyramiden, Palästen.

Tiahuanaco (100 n. - 1200 n. Zw.)

Becken von Titicaca und Huari (600 n. - 800 n. Zw.)

Nord- bis Südküste/ nördl. bis südl. Hochland, bildeten die ersten größeren Andenreiche, dominierten zeitweise das gesamte Gebiet des Alten Peru. In vielerlei Hinsicht Vorläufer des Inka-Reiches. Auch einige typische Gottheiten der Tiahuanaco-Kultur (Stabgott und Flügelwesen) wurden von den Inka übernommen. Die lkonographie weist überweigend eckig-geometrische und abstrakte Motive auf.

Chimü/Lambayeque (800 n. - 1470 n. Zw.)

Nordküste, Chimü ist das mächtigste Reich seiner Zeit im Andengebiet- die Hauptstadt Chan Chan wird zur größten Stadt des präkolumbischen Südamerika. Hier sollen bis zu 30 000 Menschen gelebt haben. Die Keramikproduktion nimmt an Masse zu, die künstlerische Qualität jedoch ab. Die Bedrohung durch die angreifenden Inka wächst.

lca/Chincha (1000 n. - 1470 n. Zw.)

Südküste

Chancay (1000-1460 n. Zw.)

Zentrale Küste

lnka (1476 n. - 1532 n. Zw.)

Nord- bis Südküste/ nördi. bis südl.Hochland, allmähliche Eroberung der Gebiete um Cuzco im 13. und 14. Jh. Nach der Eroberung der Chancas erklärt sich der Inka Yupanqui zum Pachacutec (Herrscher, Kaiser). Bis 1490 Ausdehnung des Reiches bis nach Kolumbien im Norden und Chile im Süden. Monumentalarchitektur (Zyklopenmauern von Sacsayhuaman). Stark hierarchisch organisierte Gesellschaft (Adel, Priesterschaft). Sonnenkult. Abruptes Ende mit der Ermordung des Inka Atahuallpa am 29.8.1533 durch die Spanier.

Spanische Kolonialzeit (ab 1532)

Porträts, Moche-Kultur (100 v.- 650 n. Zw.)

Die in großer Zahl gefundenen Porträtköpfe mit detailgetreuen Gesichtszügen scheinen Individuen, Zeitgenossen der Töpfer darzustellen. Doch man hat auch die dazugehörigen Modelle gefunden, und gleiche oder zumindest sehr ähnliche Stücke tauchten sogar in verschiedenen Flußtälern auf. Von einigen Porträtköpfen gibt es Gegenstücke als Ganzkörperfiguren. Man vermutet daher, daß es sich trotz der Vielzahl unterschiedlicher Gesichter um die Darstellung von Typen handelt, die bestimmten sozialen, handwerklichen und künstierischen Konventionen unterworfen waren.

F a u n a , Moche-Kultur (100 v. - 650 n. Zw.)

Nicht nur die Menschen waren beliebte Motive der Moche-Töpfer, auch die Tierwelt wurde gern und häufig modelliert und gezeichnet. Heimische Haustiere wie Meerschweinchen oder Lamas, oder aus den fernen Regenwaldgebieten eingehandelte wie Tukäne, Papageien, Kolibris oder Affen, Meeres- und Flußbewohner wie Fische, Meeressäuger oder Muscheln und natürlich die beeindruckenden, großen Tiere, denen man auch übernatürliche Fähigkeiten zuschrieb, wie der Jaguar, der Puma, der Kondor, der Hirsch, der Kaiman und der Wal. Menschliche Figuren mit Tiermasken, häufig Eulenköpfen, werden als Darstellungen von Priestern oder Schamanen gedeutet.

Pflanzen/Nahrungsmittel, Moche-Kultur (100 v. - 650 n. Zw.)

Eingegrenzt durch den trockenen Wüstenstreifen längs der Pazifikküste und den dichten, tropischen Urwald am Osthang der Anden, bildeten die zwischen den Gebirgszügen und bis an die Küste sich erstreckenden fruchtbaren Täler mit den umliegenden Hängen sichere, produktive Anbaugebiete. Bereits ab dem 3. Jahrtausend n. Zw. wurden hier Bohnen, Kürbisse, Chili, Mais, Baumwolle, Erdnüsse und Avocados kultiviert und angebaut. Auf den Hochebenen und im Becken des Titicacasees gedeihen verschiedene

Kartoffelarten (mashua, oca, olluco) und Getreide (quinoa, kaniwa, kiwicha). Ab dem 1. Jahrtausend vor der Zw. gewann man durch Terrassierung, künstliche Bewässerung und den Einsatz von Düngemittein zusätzliche Anbaugebiete im Gebirge und in der regenlosen Wüste hinzu. Besonders die Moche-Kultur hatte Einfluß und Macht einem ausgekiügelten Kanalsystem zu verdanken, das die künstliche Bewässerung großer, früher unfruchtbarer Gebiete ermöglichte.

Meeresfauna, Moche und Chimù-Kulturen (100 v.- 1470 n. Zw.)

Die günstigen, natürlichen Gegebenheiten nutzend, haben sich an der peruanischen Pazifikküste schon ab einem sehr frühen Zeitpunkt Menschen in ständig bewohnten Siedlungen niedergelassen. Das Meer bot reichlich Nahrung in Form von Fischen,

Meeressäugern und Schalentieren. Die klimatischen Bedingungen sind allerdings extrem. Es fallen keine Niederschläge, sechs Monate im Jahr kommt dichter Nebel auf, am Tag werden sehr hohe und in der Nacht sehr niedrige Temperaturen gemessen. Man vermutet aber, daß der Küstenstreifen vor einigen Tausend Jahren fruchtbarer gewesen ist und die extreme Trockenheit erst jüngeren Datums ist.

Der 2000 km lange, aber schmale Küstenstreifen zwischen dem Meer und den Ausläufern der Anden bildet eine trockene Sandwüste, die optimale Bedingungen für die Konservierung selbst organischen Materials bietet. In den Boden geratene Gegenstände wie Grabbeigaben und Bestattungsbündel werden auf natürliche Weise mumifiziert. Bereits vor der Kenntnis der Töpferei und bis zur Ankunft der Europäer wurden direkt an der Küste Gräber und große Friedhöfe angelegt, deren Inhalt uns heute wertvolle Hinweise auf Jahrtausende präkolumbischer Kulturen gibt.

Gefangene und Opfer (Moche Kultur, 100 v.-650 n. Zw.)

Bei aller Kunstfertigkeit der Gefäße vermitteln sie doch keinen friedfertigen Eindruck der Moche-Kultur. Kampf und gewaltsame Auseinandersetzungen sowie Rituale, die Opferungen von Menschen zeigen, sind häufige Motive. Gefangennahmen, verstümmeite menschliche Figuren, die als Opfer oder Bestrafte interpretiert werden, nackte Figuren mit Stricken um den Hals, Krieger, die Gefangenen Keulen ins Gesicht stoßen oder als Opferpriester fungierende Männer (zuweilen mit Eulenköpfen), die das Opfer in den Abgrund stoßen, sind sich wiederholende Themen von Gefäßdarstellungen. Archäologische Ausgrabungen, z.B. bei Sipàn im Lambayeque-Tal oder San Josè de Moro im JequetepequeTal haben die Durchführung offensichtlich festgeschriebener Opferriten, wie sie auf mehreren Gefäßen dargestellt sind, bestätigt.

Heiler, Koka-Ritual, Astralreisen

Auf zahlreichen Gefäßen werden Krüppel und andere, offensichtlich kranke Personen dargestellt, deren Leiden in den meisten Fällen von Medizinern identifiziert werden können.

Es gab im Alten Peru eine differenzierte Heilkunde, sowohl komplizierte chirurgische Eingriffe wurden vorgenommen als auch pflanzliche Wirkstoffe eingesetzt, bis hin zur Verabreichung von stark wirkenden Drogen. Die Darstellung von Heilungszeremonien, bei denen manchmal mit Tierköpfen maskierte Heiler in Erscheinung treten, sind für unser Wissen über die präkolumbischen Heilungsmethoden sehr aufschlußreich. Die alten Kenntnisse, die Anwendung verschiedener, aus Pflanzen gewonnener Ingredenzien, stoßen nicht nur bei Archäologen, sondern auch in der heutigen westlichen Medizin auf großes Interesse.

Die Verwendung der Blätter des Koka-Strauches oder eines Suds des mescalinhaltigen San Pedro-Kaktus war den Schamanen vorbehalten, die im Trance-Zustand mit den überirdischen Kräften in Kontakt zu treten versuchten oder durch Bewußtseinserweiterung die Heilung von Krankheiten oder die Abwehr bösen Zaubers erreichen wollten.

Jahrtausende alte Darstellungen von schwebenden Schamanen, z.B. auf Textilien, belegen das hohe Alter des "Schamanenflugs", bei dem durch die Einnahme von Halluzinogenen ein "fliegendes" Gefühl erzeugt wird, das den Schamanen in übergeordnete, kosmische Welten bringen soll.

Bemalte Keramik, Moche-Kultur (100 v. - 650 n. Zw.)

Ein Teil der Moche-Keramik ist mit künstierisch hervorragenden Malereien verziert, die lebendige Szenen wiedergeben. Die Hauptakteure sind Krieger, Priester, Würdenträger, Jäger, Tiere, aber auch anthropomorphe Figuren. Die Entschlüsselung vieler Darstellungen ist kompliziert und bleibt im Bereich des Spekulativen, denn die Keramik stammt aus Gräbern und selbst eindeutige Handlungen, z.B. Jagden, Kampfhandlungen oder Wanderungen mögen auf religiösen, mythischen Vorstellungen basieren und eine bestimmte Rolle im rituellen Kontext spielen. Entgegen dieser, von einigen Wissenschaftlern vertretenen Thesen gibt es jedoch auch Szenen, die tatsächlich den Alltag widerspiegeln, z.B. webende Frauen, umgeben von Steigbügelgefäßen.

Figurengefäße (Moche-Kultur 100 v.-650 n. Zw.)

Die zahlreichen kunstvollen Keramiken der Moche-Kultur weisen so naturgetreue Darstellungen auf, daß sie auch noch 1 1/2 Jahrtausende nach ihrer Entstehung als lebendiges Bilderbuch der Kultur, die sie schuf, dienen. Als "Geschichtsarchiv aus Ton" oder "keramische Bibliothek" sind sie bezeichnet worden, scheinen doch alle Bereiche des menschlichen Lebens in Ton geformt wiedergegeben worden zu sein. Daß das nicht zutrifft, haben neueste Forschungen ergeben-. Nicht alle Tätigkeiten des täglichen Lebens sind dargestellt, z.B. Feldarbeit oder Hausbau. In erster Linie scheinen kultisch-religiöse und rituelle Belange Anlaß der gewaltigen Keramikproduktion gewesen zu sein: zur Verwendung bei besonderen Anlässen, in jedem Fall aber als Grabbeigaben für die Elite.

Ohne schnelldrehende Töpferscheibe frei modelliert oder in wiederverwendbaren Modeln geformt, bleibt die Moche-Keramik an Qualität und Ausdruckskraft im Alten Peru unübertroffen.

Sexualität (Moche-Kultur 100 v. - 650 n. Zw.)

Aus der Moche-Kultur an der Nordküste Perus haben sich zahllose Keramiken erhalten, die erotische Szenen darstellen, eine Zusammenstellung sexueller Praktiken, die dazu gedient haben mag, die unterschiedlichen Formen zu vermitteln. Mit Fruchtbarkeitsriten in Zusammenhang gebracht werden Darstellungen mit überdimensional gestalteten Geschlechtsteilen. In der Wissenschaft herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, ob es sich bei den erotischen Keramiken um spontane, lebensbejahende Äußerungen handelt oder ob auch dieser Komplex wie viele andere in den rituellen, kultisch-religiösen Bereich gehört.

Tod, mythologische Wesen, Moche-Kultur (100 v.- 650 n. Zw.)

Daß der Tod, das Leben nach dem Tod und mythologische Vorstellungen eine wichtige Rolle im Leben der Moche-Elite gespielt haben müssen, geht nicht nur aus der für den Grabkult angefertigten Keramik hervor, auf der Skelette, Tote in der Unterwelt, Gottheiten und anthropomorphe Wesen so häufig dargestellt sind. Neue Erkenntnisse stammen aus archäologischen Ausgrabungen: In einigen der riesigen Pyramiden aus Adobe-Ziegeln (z.B. bei Trujillo und Moche) wurden pompöse Herrschergrabstätten freigelegt. Man hatte den Fürsten nicht nur wertvolle Beigaben, z.B. aus Gold mitgegeben, sondern auch die Skelette von Frauen und Männern wurden gefunden, diese teils verstümmeit. In einem anderen Grab befand sich eine weibliche Priesterin, deren Funktion bereits von der Gefäßmalerei her bekannt war. Wissenschaftler versuchen nun, die vermuteten Beziehungen zwischen dem Inhalt der Fürstengräber und den Darstellungen auf Keramiken herzustellen und zu deuten.

Mumiengrab und Raubgräberei

Die Raubgräberei hat im Andengebiet eine lange Tradition. Schon die Indianer sollen an einigen Orten die Gräber ihrer Vorfahren geplündert haben. Trotz Verboten der betroffenen Staaten und entsprechender UNESCO-Bestimmungen sind Raubgräber bis heute tätig, reißen Grabbeigaben aus dem Fundzusammenhang und schmuggeln sie außer Landes, da es einen internationalen Markt für präkolumbische Altertümer gibt.

Über die genaue Herkunft und ursprüngliche Bekleidung der beiden ausgestellten Mumien ist nichts bekannt. Die Mumien wurden häufig von den Grabräubern entkleidet, die Stoffe zerschnitten, Schädel von ihren Skeletten getrennt, und Keramik ging durch unsachgemäße Behandlung zu Bruch.

Viele Mumien, die in den Gräberfeldern an der Südküste gefunden wurden, wiesen Deformationen wie die der beiden ausgestellten Schädel auf. Sie sind auf den Brauch zurückzuführen, die Schädel der Neugeborenen zwischen zwei Bretter zu pressen.

Neben einzelnen Skeletteilen, vermutlich von Untergebenen, die anläßlich der Bestattung höhergestellter Persönlichkeiten geopfert wurden und der Keramik gehörten zu den üblichen Grabbeigaben in oder neben den Mumienbündeln Nähkörbchen, Spindeln, Baumwolle und andere Gegenstände aus dem Bereich der Textilkunst.

Besonders in den Gräbern von Paracas wurden riesige, prächtige Totentücher gefunden, Beispiele der weltweit einzigartigen Webkunst dieser frühen Kultur (550v.-100v. Zw.).

Textilkunst und Paracas-Kultur (550 v. - 100 v. Zw.)

Die herausragende Textilkunst des Alten Peru ist in ihrer beispiellosen Kunstfertigkeit einzigartig auf dem amerikanischen Kontinent. Bereits um 3600 v. Zw. begann man, Baumwolle zu kultivieren. Im Laufe der Zeit wurden immer kompliziertere Techniken entwickelt, zu denen ab dem 2. Jahrtausend v. Zw. die Litzenweberei zählte. Zarte Gazestoffe, Doppel- und Dreifachgewebe und minutiöse Stickereien beweisen, daß im Alten Peru alle in der Alten Weiten bekannten Webtechniken angewendet wurden und darüber hinaus noch einige andere mehr. Die Weberinnen der Paracas-Kuitur produzierten riesige Mengen großformatiger Decken und Totentücher, die sich im trockenen Wüstensand an der mittleren und südlichen Küste gut erhalten haben. In den Gräbern fanden sich zahllose, in flachen Korbschalen plazierte Mumienbündel, die in mehrere Lagen der riesigen, prachtvoll verzierten Totentücher - einige davon bis zu 40 m. lang - eingewickelt waren. Zu ihrer Bekleidung zählten darüber hinaus Kopfbedeckungen, Haarnetze, Gürtel u.a.m. Es muß eine regelrechte Toten-Weberei gegeben haben, da die Textilien kaum Gebrauchsspuren aufweisen.

Im Hochland wurde die Wolle von Lama, Alpaca, Guanaco und Vicuna zu feinster Wolle versponnen. 200 verschiedene Farben waren im Alten Peru bekannt, mit denen die Garne und Textilien in verschiedenen, komplizierten Techniken (Abbindetechniken u.a.) gefärbt oder bedruckt wurden. Zusätzlich wurden Stoffe mit Federn, Perlen, Gold und Silber verziert. Die Deutung der ausdrucksstarken, komplizierten Muster und Symbole ermöglicht einen tiefen Einblick in die Vorstellungswelt der weit über 1 000 Jahre alten Kulturen.

Bemalte Keramik, Nazca-Kultur (100 v. - 650 n. Zw.)

Die Nazca- ist aus der Paracas-Kultur hervorgegangen, nachdem beide bereits einige Jahrhunderte gleichzeitig geblüht hatten (ca. 4.Jh.v. Zw. - 2.Jh.n. Zw.). Besonderes Charakteristikum der Nazca-Kultur ist eine gut gebrannte, dünnwandige Keramik, die sich durch ihre leuchtende Vielfarbigkeit auszeichnet.

Bis zu 1 1 pflanzliche und mineralische Farben pro Gefäß wurden noch vor dem Brand aufgetragen. Die lkonographie des Dekors entwickelte sich von realistisch gezeichneten Motiven in der Frühzeit (Pflanzen, Tiere, Früchte, menschliche Figuren) zu abstrakten Symbolen im Mittel-Nazca. Die Qualität des Dekors und die Intensität der Farben nehmen in der Spätphase deutlich ab.

Die lkonographie der Nazca-Keramik findet sich auch auf den Textilien dieser Kultur und den berühmten Wüsten-Scharrbildern, am besten erkenntlich in den Umrißlinien einiger Tiere wie Wal, Affe, Spinne und verschiedenen Vogelarten.

Für die Interpretation der Scharrbilder gibt es mehrere Erklärungsmodelle, die auch in Kombination vorstellbar sind- Astronomisch-kalendarische Funktionen wie auch die für ein in der Wüste lebendes Volk so wichtigen Bezüge zum Wasser-Komplex können Anlaß der technisch relativ einfachen Figuren sein.

Lambayeque/Sicàn (700 n. - 1375 n. Zw.)

Nach dem aus bislang unbekannten Gründen erfolgten Untergang der Moche-Kultur übernahmen die zunächst miteinander rivalisierenden Kulturen von Lambayeque und Sicän die Herrschaft an der nördlichen Küste. Riesige Friedhofsanlagen mit ausgedehnten Sakralbauten weisen auf die Bedeutung des Grabkultes. Die Verabeitung von Gold spielte eine große Rolle. Die Gesichter einiger Mumien waren mit großen Goldmasken bedeckt, und allein in einem Grab wurden 180 goldene Becher gefunden.

Chancay-Kultur (1000 n. - 1465 n. Zw.)

Die stilistisch relativ homogene Chancay-Kultur war im Chancay- und Chillon-Tal in der Nähe von Lima angesiedelt. Man trieb Handel mit dem Norden und dem Süden, vermutlich auch mit dem östlich hinter den Anden gelegenen Urwaldgebiet. Die Friedhöfe waren groß angelegt, die Toten wurden mit zahlreichen Grabbeigaben bestattet. Die am reichsten ausgestatteten Gräber der Oberschicht waren mit sorgfältig gearbeiteten Lehmwänden, Dächern aus Balken und Schilfrohr und zuweilen einer Treppe, die zum Grab hinabführte, ausgestattet.

Die Oberfläche der Keramik ist meist rauh, da man einen sandigen Ton verwendete. Viele feine, farbige Textilien haben sich im trockenen Wüstensand erhalten, darunter auch Gazen, die wohl auf dem Haar angebracht wurden.

Chimù-Kultur (1375 n. - 1476 n. Zw.)

Im Jahre 1375 gelangten die Chimù im ehemaligen Herrschaftsgebiet der Mocheund Lambayeque-Kulturen an die Macht, dehnten ihr Reich aber um ein Vielfaches aus. Sie übernahmen jedoch Elemente aus der Moche-Kultur, die sie in einen eigenen Stil umgestalteten. Die Hauptstadt Chan Chan umfaßte ca 20 qm und soll zeitweise eine Einwohnerzahl von 30 000 Personen gehabt haben. Im Inneren befand sich ein ummauertes Zentrum- man nimmt an, daß hier die Handwerker und andere Spezialisten lebten und arbeiteten. Die Gold- und Silberschmiede der Chimü waren für ihre Fähigkeiten auch über die Landesgrenzen hinweg berühmt. Die Keramik ist dagegen von minderer Qualität als die der Vorgänger-Kulturen. Sie wurde in Serie in Modeln geformt und mit Schablonen verziert. Die schwarzen oder dunkelgrauen, glänzend polierten Steigbügel- und Doppeigefäße der Chimü wurden in großer Anzahl gefunden. Sie wurden bei geringer Sauerstoffzufuhr (reduzierter Brand) gebrannt und sind stilistisch deutlich von der Moche-Keramik zu unterscheiden.

Das Inka-Reich (1476 n, - 1532 n. Zw.)

Im Gegensatz zu den Vorläuferkulturen sind wir bei der Rekonstruktion der kurzen Periode der Inka-Herrschaft nicht nur auf die Bodenfunde, Monumentalarchitektur, Keramik oder Textilien angewiesen, sondern können darüber hinaus die schriftlichen Quellen der Spanier (Eroberer, Missionare, Verwaltungsbeamten) und der im Schreiben und Lesen unterwiesenen Inkaabkömmlinge, bzw. indianischen Priesterschüler und assimilierten Kaziken studieren. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, Obertreibungen, Mißverständnisse und eurozentristische Sichtweisen zu erkennen und die authentischen Angaben herauszufiltern. Eine unübertroffene frühe Bildquelle ist die aus dem Jahre 1615 stammende, 1200 Seiten umfassende Chronik des Huamàn Poma des Ayala, der das Leben seiner indianischen Vorfahren in 400 lllustrationen festhielt.

In weniger als 1 00 Jahren (ab 1438) gelang es den Inka-Herrschern, einen riesigen Staat zu etablieren und zu unterhalten. Über 4000 km von Norden (heutiges Ecuador) bis Süden (heutiges Chile) erstreckte sich der direkt den Inka unterstellte Herrschaftsbereich, der nur durch eine straffe, strenge Verwaltung unter Kontrolle zu halten war (Tribut- und Steuerpflicht, Arbeitsdienst, Ämterhierarchie,

Spezialistentum). Bewundernswert waren die Architekur und das Straßen- und Brückensystem. Steuern wurden mit Hilfe von quipus (Knotenschnüren) gezählt und kontrolliert. Selbst die Keramik wurde nun nach festgelegten Normen hergestellt. Zum Zeitpunkt der Ankunft der Spanier war das Reich in ökonomisch-ökologischer Hinsicht aber bereits an die Grenzen der Regierbarkeit gestoßen.

Am Titicacasee - Leben in knapp 3625 m. Höhe

Auf den Hochebenen rund um den Titicacasee entwickelte sich ab dem 1.Jh.n. Zw. die Kultur von Tiahuanaco. Das Sonnentor auf dem heutigen Staatsgebiet von Bolivien sowie Reste von Zeremonialbauten erinnern an längst vergangene Zeiten. Das Leben von Mensch und Tier hat sich seither jedoch nicht wesentlich verändert. Lamas und Alpakas werden von den Aymara- oder Quechua-Indianern beladen und transportieren das Gut zuweilen bis hinunter an die Pazifikküste. Die Verwendung von Binsenmaterial für den Bootsbau hat sich am Titicacasee bis heute erhalten. Das Meerschweinchen zählt wie das Lama zu den ältesten domizierten Tieren des Andengebietes. Es ist auch heute noch wichtigster Eiweißlieferant der in den Hochanden lebenden Bevölkerung.

Darstellungen auf Textilien oder der Keramik erinnern an die mythische Bedeutung, die die indianische Bevölkerung dem Kondor zukommen ließ.

Peru in der Kolonialzeit

Am 16. November 1532 gingen das lnkareich und mit ihm die vorspanische Welt unter. Das Heer des Konquistadoren Francisco Pizarro nahm den Inka-Herrscher Atahuallpa gefangen, die Inka-Armeen wurden nach verschiedenen Aufständen seiner Nachfolger endgültig geschlagen.

Mit den spanischen Soldaten waren zahlreiche Missionare in die Neue Weit gekommen, die das Christentum in kurzer Zeit allerorten brutal verbreiteten und die vorspanischen Gottheiten verboten.

Bereits kurze Zeit später stellten indianische Künstler Heiligen- und Madonnenbilder in großer Zahl her. Doch hinter dem scheinbaren Glaubenseifer für die neue christliche Religion, vor allem dem hingebungsvoll ausgeübten Madonnenkult der Quechua und Aymara von Peru mag sich mehr verbergen. Erinnerungen an die Verehrung der mütterlichen Gottheit Pachamama werden wach angesichts des Bildnisses der Madonna von Characato, einem kleinen Wallfahrtsort in der Provinz Arequipa, das der Kazike Don Pablo Matutec anfertigen ließ. Bilder wie diese wurden im 18. und 19. Jahrhundert aus ihren wertvollen, mit Juwelen besetzten Rahmen aus Edelmetall gerissen und achtlos beiseite geworfen, bis das Interesse europäischer Sammler und Reisender ab Ende des vergangenen Jahrhunderts auch für die Bilder selbst geweckt war.

Gemälde, Madonna von Characato, Olgemisch auf Baumwolleinwand, anonym, ca. 18. Jh. Sig. Galerie Rosen, erworben 1950, Die Darstellung der verschiedenen Madonnen ist häufigstes und beliebtestes Motiv der indomestizischen Personenmalerei. Typisch ist die ikonenähnliche, pyramidenförmige Kontur.